Tanz mit dem Engel by Ake Edwardson

Tanz mit dem Engel by Ake Edwardson

Author:Ake Edwardson [Edwardson, Ake]
Language: deu
Format: epub
Published: 2011-11-14T23:00:00+00:00


26

Die Rastlosigkeit saß wieder in ihm, er fühlte sie, als wartete sie im Zwerchfell, wie ein Wesen.

Bin ich nicht reif für diese Familie, dachte er? Ist der Schritt zu groß, oder stimmt etwas anderes nicht?

An diesem Abend hatte er den Murkel strampeln gespürt. Ihm war, als ob die Hand noch immer vibrierte. Mal klopfte sie vor Wärme, mal vor Kälte.

Ich sitze in der Mittelhand, dachte er, als er merkte, wie sich seine Finger bewegten, ohne daß er sie steuerte. Man verlangt etwas von mir, und ich bin mir nicht sicher, was. Ich muß etwas daraus machen. Die kleine Zutat, dachte er, und machte etwas mit dem Gesicht.

»Was gibt es?« fragte Martina und betrachtete ihn prüfend.

»Nichts.«

»Du hast eine Grimasse gemacht, als ob du an etwas Unangenehmes gedacht hättest.«

»Die Arbeit.«

»Was gibt es da?« fragte sie noch einmal.

»Es sind nur die späten Zeiten.«

»Hast du die ganze Woche Nachmittagsschicht?«

»Ja, aber eigentlich müßte es Abendschicht heißen.«

»Oder Nachtschicht. Du kommst heim und riechst nach Rauch.«

Er fuhr den Weg vom Reihenhaus und hinaus auf die Brücke. Einen Tag, oder jetzt zwei, war das Licht anders gewesen, wie ein Versprechen. Ob das in fünfzehn Jahren das gleiche Gefühl ist? Ist man immer bereit, auf den Frühling zu warten? dachte er. In fünfzehn Jahren sind die Bäume ums Haus hochgewachsen, und ich bin Kommissar und habe einen Murkel, der mit der Oberstufe im Gymnasium anfängt.

Da fahren wir an einen geheimen Ort, wie Birgersson, in der letzten Februarwoche, wenn alles nur ein Warten ist. Sture ist nicht braungebrannt, wenn er zurückkommt. Wo zum Teufel steckt er bloß? Hat ein erwachsener Mensch ein Recht auf Heimlichkeit?

Eisreste trieben auf dem Wasser unter ihm. Das Licht der Dämmerung traf auf die Oberfläche und verwandelte den Fluß in eine Flut aus gesplittertem Glas.

Ein Kutter spaltete die scharfe Oberfläche auf dem Weg zum offenen Meer, als hätte er Diamanten an der Schraube. Westlich der Brücke begegnete er Havskatten, das von Dänemark kam. Das Luftkissenboot schwamm durch die Luft. Nichts war von unten zu hören, es war nur eine große Bewegung ohne Geräusch.

Lars Bergenhem fuhr von der Brücke und in die Stille, die vom Meer dort draußen über die Stadt hereinzutreiben schien.

Es kann nicht unmöglich sein, zu einem menschlichen Preis an ein Segelboot zu kommen, dachte er. Martina würde sich freuen. Ich wäre aus dem Weg, wenn sie den Murkel hat. Das ist vielleicht das beste, dachte er und wunderte sich über seine Gedanken.

Er schob die Kassette in den Recorder und drehte die Lautstärke bis zum Unerträglichen auf. Der Verkehr floß lautlos hinter den Autofenstern vorbei.

Das Schild leuchtete wie früher. Er stellte das Auto auf denselben Platz. Die Tür sah anders aus, da er jetzt wußte, wie es drinnen aussah. Das Riverside gab es seit zwei Jahren, und es hatte vom ersten Tag an sein Publikum gehabt.

Bergenhem ging geradeaus durch den Zeitschriftenraum und weiter zur Show. An allen Tischen saßen Männer, außer an dem gleich bei der Tür und dem Vorhang, und an den setzte er sich.

Eine Frau tanzte auf einem der Tische, die am weitesten von ihm weg waren, vor der Bühne, und die Männer applaudierten ihren Bewegungen.



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